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BADISCHES TAGBLATT VOM 27.04.09
 

Grundig Klinik Schwarzwaldhochstraße (khd) - Am Wochenende konzertierte sehr erfolgreich das Gitarrenduo Odendahl und Singer im Atrium der Max Grundig Klinik Bühlerhöhe mit dem Programm „Ida y Vuelta“ . Zu einem kurzweiligen Hörvergnügen gestaltete sich dieses Konzert mit selten gehörten Kompositionen und Arrangements mit Schwerpunkten spanischer, lateinamerikanischer und jazzverwandter Musik. Das Repertoire des Duos liegt im Grenzbereich zwischen unterhaltsamer und ernster Musik.
Vor einigen Jahren gründeten Manfred Odendahl und Ulrich Singer ihr Duo. Odendahl spielte auf einer Gitarre von Vicente Sanchis und Singer auf der von Paco de Lucia.

Die Entstehung der Gitarre reicht weit in das frühe Mittelalter zurück. Unter dem persisch- arabischen Einfluss wurde sie im 8. Jahrhundert in Spanien heimisch. Im Abendland finden wir sie erst im 13. Jahrhundert, seit etwa 1530 neben Spanien in Frankreich und Italien. In Deutschland wurde sie erst Ende des 18. Jahrhunderts am Hofe berühmt. Das Gitarrenspiel nahm zur Zeit der Wiener Klassik einen erneuten Aufschwung. Das lag unter anderem an den vortrefflichen Spielern, wie zum Beispiel Paganini. Im 20. Jahrhundert erlebte die Gitarre eine wahre Renaissance. Werke, oft im folkloristischen Stil (Spanien und Südamerika ) finden immer mehr Verbreitung, nicht zuletzt durch den Flamenco und den Jazz, im Besonderen durch Django Reinhardt.

Schon der Beginn des Konzertes versprach beste Unterhaltung. Der spanische Flamenco- Komponist Sabicas aus dem vergangenen Jahrhundert unterstrich mit „Ritmos de Sabica“ den Rhythmus in Verbindung mit virtuoser Spieltechnik wie auch das Duo in seiner Virtuosität. Als Sabicas bezeichnet man die instrumentale Hinführung zum Flamenco außerhalb Spaniens. Sabicas prägte besondere Spieltechniken und verhalf dem Flamenco zu internationaler Bekanntheit.
Bulerias zählt in erster Linie zur Tanzmusik und ist ein Flamenco- Tanz. Leicht, frech, fröhlich und schwungvoll gestaltete das Duo ihn.
„Andalusia“ und „Fandango“ stammen aus der Feder des Klassikers der Jazzgitarre Mario Gangi und zählen zu den selten gespielten Stücken aus der Suite Spagnola. Markant hierbei die dynamischen und harmonischen Schattierungen, die die Weite der andalusischen Landschaft unterstreichen. Zum Jazz- Standard gehört dagegen Chick Coreas „Amando`s Rhumba“ mit den typischen Rumba- Rhythmen und den fein stilisierten Melodien. Stanley Myers „Cavatina“ beinhaltet Zigeuner- und Gipsy- Swing mit jazzgemäßer Rhythmik. Wunderbare Akkordeffekte mit entsprechenden Stimmungsbildern konnte das Duo zaubern.
Als einer der besten Jazzmusiker entwickelte er neue Techniken, wie Tremolo-Picking und Tremolo- Glissandi. Bewundernswert, wie bei dem sehr bekannten Stück „Malaguena“ von Ernesto Lecuna die Finger der Künstler im zunehmenden Tempo nur so über die Saiten rasten. Zapateado („Lluvia en el patio“) von Paco Serrano und die Tangos („El Portillo“) waren weiter interpretatorische Highligts des Gitarrenduos: gelungene Mischung zwischen Rhythmus und melodisch harmonischen Strukturen. „Spain“ des amerikanischen Jazzpianisten Chick Corera ließ die Herzen des Publikums höher schlagen. Als absoluten Höhepunkt bot das Duo den „Zardas de Monti“ von Vittorio Monti dar, ebenso „Sweet Georgia Brown“ im Swing- Standard. Hier verkörperte das Duo den Zigeunerswing im Stil des großen Django Reinhardt.
Intime Spielkultur bei excellenter Spieltechnik waren herausragende markante Zeichen des Duos Odendahl & Singer, ebenso Lebendigkeit und Plastizität bei erfrischender Musizierweise.

Karin Heineke-Dietz